Ministerium für Wirtschaft

Dr. Hanspeter Georgi:
Neue Akzente in der Wirtschaftspolitik des Saarlandes

Saarbrücken, 28. Oktober 1999
[Es gilt das gesprochene Wort]


Inhalt:

Der Strukturwandel funktioniert


Die Wirtschaftspolitik der Landesregierung wird durch klare und zentrale Ziele bestimmt:

  • Das Saarland muss in die Lage versetzt werden, aus eigener Kraft und dauerhaft seinen Aufgaben im föderalen System gerecht zu werden

  • Die Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen ist die vorrangige Aufgabe. Sie kann erfüllt werden, wenn alle regionalen Partner an einem Strang ziehen und wenn Innovation zum Markenzeichen des Landes gemacht wird.

An der Verwirklichung dieser Ziele werden wir engagiert arbeiten. Dabei ist klar, dass nicht alles von heute auf morgen zu erreichen ist. Ein tief greifender Strukturwandel erfordert einen langen Atem, aber dass er möglich ist, haben andere - Bayern ist ein Beispiel - vorgemacht.
Beim Aufbau neuer Strukturen in Wirtschaft und Gesellschaft ist "Innovation" das beherrschende Leitmotiv.

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Arbeit und Ausbildung für alle


Der Anspruch, dass allen, die arbeitsfähig und arbeitswillig sind, eine angemessene Beschäftigung angeboten wird, muss eingelöst werden. Regionale Wirtschaftspolitik trägt dazu bei, die notwendigen Rahmenbedingungen zu setzen. Dies gilt auch für die berufliche Ausbildung; denn alle, die ausbildungsfähig und ausbildungswillig sind, sollen ihre Chance bekommen.
Dies ist Voraussetzung dafür, dass das Saarland auf der Basis einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung seine finanziellen Probleme lösen und damit seine Eigenständigkeit dauerhaft sichern kann.

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Vorrang für den Mittelstand


Die Erfahrung lehrt, dass die mittelständische Wirtschaft im notwendigen Aufholprozess eine Schlüsselfunktion hat. Neue Arbeitsplätze entstehen nicht in den Großunternehmen, sie können nur in den kleinen und mittleren Unternehmen des Handels, des Handwerks und des Dienstleistungsbereichs sowie der neuen Technologien geschaffen werden.
Der Mittelstand steht im Vordergrund unserer Wirtschaftspolitik. Er muss sich entfalten und seine Wachstumspotenziale ausnutzen können. Ziel ist es, bis zum Jahr 2010 rund 60.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Das sind pro Jahr 6.000 neue Arbeitsplätze. Das ist ein ehrgeiziges, aber ein realistisches Ziel. Es ist erreichbar, wenn alle regionalpolitischen Anstrengungen konsequent auf den wirtschaftlichen Strukturwandel und die Förderung von Selbständigkeit, Innovation und mittelständischen Unternehmen konzentriert werden.
Ausgestaltung und Volumen der Mittelstandsförderung müssen dem gerecht werden. Die Landesregierung wird daher den Umfang der mittelstandsspezifischen Förderprogramme ausweiten und sich dafür stark machen, dass Mittel, die bisher für Altindustrien eingesetzt wurden, zumindest teilweise in Strukturhilfen zur Förderung des Mittelstandes fließen können.
In Zusammenarbeit mit der
IHK und der ZPT werden die außenwirtschaftlichen Aktivitäten der Unternehmen etwa durch Beratung und Hilfe bei Auslandsmessen und Markterkundungsreisen unterstützt.

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Aufwertung des Standorts Saarland


Basis für den Fortschritt ist das "Standortaufwertungsprogramm". Unter diesem Titel fasst die Landesregierung ihre Maßnahmen zusammen, die das Saarland für Unternehmen, für Existenzgründer und Investoren attraktiver machen.
Wir setzen da an, wo direkter Einfluss möglich ist. Saarspezifische Nachteile, die den Unternehmen ein Klotz am Bein sind, werden verschwinden.
Dazu gehört es vor allem, die überdurchschnittliche Belastung durch die Gewerbesteuer zurück zu führen. Städte und Gemeinden, die ihre Hebesätze senken, bekommen einen Ausgleich aus Landesmitteln. Bis Januar 2000 wird zusammen mit den kommunalen Spitzenverbänden eine einvernehmliche Regelung gesucht, in drei Jahren sollen sich die Hebesätze auf Durchschschnittsniveau bewegen.
Aber das ist nur einer von vielen Punkten. Wichtige Stichworte außerdem: Schlankere Genehmigungsverfahren, Rückführung der Entsorgungskosten, wettbewerbsfähige Energiekosten, Verbesserung der Verkehrsbedingungen. Zum Beispiel werden wir im Sinn der Saar-Lor-Lux-Standortpartnerschaft versuchen, dass die Flughäfen der Region künftig ihre Chancen gemeinsam statt gegeneinander nutzen. Solange das Saarland nicht eine vernünftige Schienenschnellverkehrsverbindung zum Frankfurter Flughafen hat, kann die Wiederbelebung einer Linie Saarbrücken-Rhein/Main für die Standortaufwertung ein wichtiges Signal sein.
Bei den Industrie- und Gewerbeflächen sind weitere Anstrengungen notwendig. Das Land wird sie trotz schwieriger Haushaltssituation unterstützen, aber die Städte und Gemeinden sind aufgerufen, das Thema selbst auf die Tagesordnung zu setzen.
Kernstück der Standortaufwertung sind freilich auch die Felder Bildung, Ausbildung und Qualifizierung. Es kommt darauf an, die Menschen in unserem Land fit zu machen, damit sie den strukturellen Wandel aktiv gestalten können.
Das ist das Wichtigste, was wir den jungen Menschen, die ja leistungsbereit sind, mit auf den Weg geben können. Nicht nur fördern, sondern fordern.
Auch neue Orientierungen in der Arbeitsmarktpolitik eröffnen Chancen. Im Rahmen der Saar-Gemeinschaftsinitiative und des regionalen Bündnisses für Arbeit werden Instrumente geschaffen, um von der Finanzierung der Arbeitslosigkeit hin zur Finanzierung von Arbeit zu kommen.

Positive Perspektiven bieten etwa:

  • ein Modellversuch zur Schaffung von Arbeitsplätzen für Geringqualifizierte,
  • die Verstärkung der Arbeitszeitflexibilität in den Betrieben,
  • zusätzliche Maßnahmen gegen die Jugendarbeitslosigkeit,
  • in Kombination mit Qualifizierungsmaßnahmen die Jobrotation nach dänischem Modell,
  • die Beteiligung von Mitarbeitern am Ertrag und Kapital der Unternehmen auf freiwilliger Basis.

Dem Standort Saarland wird es schließlich zugute kommen, wenn wir unseren Schulen und Hochschulen neue Handlungsspielräume eröffnen.
Neben den Maßnahmen, die das Land in eigener Kompetenz ergreifen kann, gehört zur Standortaufwertung auch die Unterstützung des Bundes. Dies betrifft - neben dem weiteren Ausbau der Forschungslandschaft - vor allem die Verkehrsinfrastruktur.

stSchwerpunkte sind:

  • die Sicherstellung der europäischen Hochgeschwindigkeitsverbindung von Paris über Saarbrücken nach Frankfurt und Einsatz der Hochgeschwindigkeitszüge mit ICE-Neigetechnik spätestens im Herbst 2000;
  • die Realisierung zentraler Straßenbauprojekte wie Lückenschluss der A 8 sowie Querspange Ensdorf und B 269;
  • eine Verknüpfung der A 1/A 623 mit der A 620 sowie die Nordsaarlandstraße von der A 8 zur A 1;
  • die Fortsetzung der Saarbahn Richtung Lebach bei gleichzeitiger Neubewertung der einzelnen Ausbaustufen für die Ausschweifungen St. Ingbert und Völklingen.

Ein Faktor für die Standortaufwertung ist außerdem die Errichtung des logistischen Dienstleistungszentrums am Hauptgüterbahnhof in Saarbrücken. Reizvoll wäre es, wenn das Saarland angesichts der zentralen Lage gemeinsam mit dem Département Moselle besondere Angebote für Spedition, Logistik, Transport und Lagerei machen könnte.
Neben all dem kommt der regionalpolitischen Flankierung der Entwicklung im Bergbau eine herausragende Bedeutung zu. Das "Saar-Memorandum" definiert eine große Zahl von Projekten, mit denen der Bund bei der Bewältigung von Folgen der Kohlebeschlüsse helfen kann. Wir werden das Memorandum noch einmal klar und deutlich auf die Tagesordnung setzen.
Die Saar-Gemeinschaftsinitiative und das regionale Bündnis für Arbeit werden ihre Arbeit fortsetzen und neue Themen aufgreifen. Ziel ist es, dass wir möglichst im sachlichen Konsens gemeinsam neue Wege beschreiten, die das Saarland zum Aufsteigerland machen.

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Eine Dreifach-Strategie für den Standort
Dies alles wird umso besser gelingen, je mehr neue Betriebe sich in unserem Land niederlassen, je mehr Firmen gegründet werden oder sich erweitern.
Daher setzt die Landesregierung im Rahmen ihrer service-orientierten Wirtschaftsförderung auf eine Dreifach-Strategie mit den Komponenten: offensive Ansiedlungspolitik, Unterstützung von Existenzgründern und Wachstumsförderung von kleinen und mittleren Unternehmen.

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Offensive Ansiedlungspolitik


Voraussetzung einer erfolgreichen Ansiedlungspolitik ist ein attraktiver Wirtschaftsstandort. Für das Saarland sprechen dabei die zentrale Lage in Europa, die gut ausgebaute wirtschaftsnahe Infrastruktur, die Verfügbarkeit von qualifizierten und motivierten Arbeitskräften sowie die Europäische Kompetenz des Landes und der Menschen.
Es kommt aber auch darauf an, dass die Qualität des Standorts bekannter gemacht wird. Daher kommt neben der Straffung und der Konzentration der Förderinstrumente sowie der Bereitstellung geeigneter Flächen vor allem der internationalen und grenzüberschreitenden Standortwerbung als Instrument offensiver Ansiedlungspolitik eine herausragende Bedeutung zu.

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Unterstützung von Existenzgründungen


Aber Ansiedlungen allein können wegfallende Arbeitsplätze nicht ersetzen. Deshalb brauchen wir eine große Zahl von Existenzgründer/innen. Hier sind im Saarland die Potenziale noch nicht ausgeschöpft, die Zahl der Selbständigen noch unterdurchschnittlich entwickelt. Um das Defizit zu überwinden, muss eine "Kultur der Selbständigkeit" Platz greifen.
Sie zu unterstützen ist das Ziel unserer "Offensive für mehr UnternehmerInnen
Die "Kultur der Selbständigkeit" hat zunächst nichts mit Geld zu tun, aber umso mehr mit einem veränderten Bewusstsein, einer grundsätzlich positiven Einstellung zum Gedanken der Selbständigkeit. Jeder ist selbst dafür verantwortlich, für seine Existenz zu sorgen und sie für die Zukunft abzusichern. Dieser Leitgedanke gilt für das Land als Ganzes. Er gilt auch für jeden Einzelnen.
Um den Mut zur Selbständigkeit und zum unternehmerischen Handeln schon früh zu wecken, werden wir in den oberen Schulklassen das Thema "Existenzgründung” aufgreifen. Sowohl mit dem Projekt "Junior”, mit dem in Miniunternehmen erste Erfahrungen gesammelt werden können, als auch in Unternehmensplanspielen, bei denen sich Schülerinnen und Schüler in unternehmerischen Aktivitäten üben.
Wir wollen die Universität und die sonstigen Hochschulen bei der Förderung von Existenzgründungen stärker einbinden. Bei Absolventen der Hochschulen muss das Interesse für Selbständigkeit deutlich gestärkt werden. Die Infrastruktur, die Hochschulabsolventen beim Weg in die Selbständigkeit unterstützt, wollen wir ebenfalls verbessern.
Wir sehen verschiedene Ansatzpunkte, die Existenzgründungen im Saarland deutlich zu forcieren:

  • Die Verbesserung der allgemeinen Rahmenbedingungen für Existenzgründer. Das ist Teil der Saar-Gemeinschaftsinitiative.

  • Die Verbesserung der Förderungsmöglichkeiten. Dabei geht es nicht unbedingt um mehr Geld, sondern darum, bestehende Landes- und Bundesprogramme durchschaubarer zu machen, besser aufeinander abzustimmen und zu straffen und somit eine Erhöhung des Wirkungsgrades der Förderungen zu erreichen.

  • Abbau der immer noch bestehenden Defizite bei dem Zugang von Existenzgründern zu Wagniskapital. Hier ist mit der Saarländischen Wagnisfinanzierungsgesellschaft zwar ein erster Schritt gemacht. Um Wagniskapital für mehr Existenzgründer zugänglich zu machen, brauchen wir aber im Saarland weitere Anstrengungen.

  • Informationen und Beratung. Sie sind ganz wichtige Faktoren für das Gelingen eines angehenden oder jungen Unternehmens. Wir werden deswegen die Information und Beratung von Existenzgründern im Saarland erheblich intensivieren. Ein Beispiel dafür ist der im November stattfindende Gründertag, der alle Akteure der Existenzgründungsförderung im Saarland an einem Tag zusammenbringt und so dem Existenzgründer einen umfassenden Überblick bietet.

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Innovations- und Technologieoffensive


Um den Strukturwandel zu beschleunigen, ist im Saarland ein Innovationsschub in Forschung und Unternehmen, im Denken und der Produktion erforderlich. Hauptelement ist deshalb eine Innovations- und Technologieoffensive. Diese umfasst Maßnahmen in der Forschungsstruktur, beim Technologietransfer und in der Technologieförderung.

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Praxisorientierter Ausbau der Forschungsinfrastruktur


Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen verbessern nicht nur die allgemeinen Standortbedingungen, sondern lösen mittelfristig erhebliche Beschäftigungseffekte aus. Deshalb wird der Ausbau von Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen voran getrieben.
Die Landesregierung wird ein landesweites Forschungsförderungsprogramm auflegen, um universitäre und außeruniversitäre Forschungsvorhaben gezielt zu unterstützen. Dies gilt insbesondere für Projekte, die für die wissenschaftlich-technologische Entwicklung des Saarlandes von Bedeutung sind.
Das Land wird regelmäßig überprüfen, welche Infrastruktureffekte und Spin-Offs von einzelnen Forschungseinrichtungen ausgehen. Ziel ist es, dass aus jedem subventionierten Forscherarbeitsplatz binnen fünf Jahren mindestens drei nachweisbare Arbeitsplätze entstehen.

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Von der Forschung in die Wirtschaft - Technologietransfer


Mit neuen Ideen stärkt die Wirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit, Innovation schafft und sichert Arbeitsplätze.
Aber Innovation kommt nicht von allein. Sie setzt - mindestens - voraus:

  • die Motivation, sich überhaupt auf das Neue einzulassen, Veränderungen und Neues zu wollen,
  • das Wissen um aktuelle Forschungsschwerpunkte und -entwicklungen,
  • den Austausch mit denen, die wissenschaftlich nach neuen Erkenntnissen und Problemlösungen suchen.

Der Dialog zwischen Wirtschaft und Wissenschaft ist wichtig, weil unsere Innovations- und Technologieoffensive davon lebt, dass alle mitmachen. So kann das gewaltige Potenzial an Wissen, das es an den saarländischen Hochschulen und in den Forschungseinrichtungen gibt, noch besser in die regionale Wirtschaft hinein getragen werden.
Die Technologieförderung in den Unternehmen sowie die stärkere Unterstützung des Technologie- und Wissenstransfers sind ein Schwerpunkt der neuen Landesregierung. Wer durch Innovation neue Marktchancen sucht, seine Angebotspalette intelligent erweitern oder seine Mitarbeiter auf zusätzliche Anforderungen vorbereiten will, kann mit ihrer vollen Unterstützung rechnen.
Neben dem Technologietransfer ist die direkte finanzielle Unterstützung von innovativen Vorhaben und Projekten ein Bestandteil unserer Innovationspolitik. Diese Förderung soll weiter ausgebaut und beschäftigungspolitisch wirksamer gemacht werden.
Die Landesregierung will das Förderprogramm durch zusätzliche Mittel so ausgestalten, wie dies im Durchschnitt der alten Bundesländer der Fall ist, und sich dafür einsetzen, dass der Förderhöchstsatz für Investitionen bei technologieorientierten Unternehmensgründungen aus dem Hochschulbereich durch eine entsprechende Komplementärfinanzierung des Bundes von 18 auf 28 Prozent erhöht werden kann.
Die Landesregierung setzt im übrigen auf den Science-Park und stellt sicher, dass potenziellen Firmengründer dort eine vollständige Betreuung mit preisgünstigen Informationen über Patente, Patentanmeldungsverfahren und Unterstützung bei Steuer- und Unternehmensberatung in Anspruch nehmen können. Starterzentren an Universität und Hochschule für Technik und Wirtschaft leisten wertvolle Vorfeldarbeit.

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Entwicklung neuer Wirtschaftsfelder


Das Saarland muss sich konsequent zur Förderung moderner Technologien bekennen. Die Kommunikationstechnologien, industrienahe Dienstleistungen aber auch Bio- und Gentechnologie eröffnen erhebliche Wachstumschancen.
Unternehmen in den Bereichen Umwelt-, Energie-, Ernährungs-, Bio- und Gentechnologie haben gute Wachstumschancen. Die bereits vorhandenen Kompetenzen des Saarlandes in diesen Feldern sind verstärkt für die unternehmerische Verwertbarkeit und eine exportorientierte Wertschöpfung nutzbar zu machen. Es darf sich nicht wiederholen, dass das Saarland als einziges Bundesland an Wettbewerben der Bundesregierung zur Biotechnologie (BioRegio) nicht teilnimmt.

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Telekommunikation


Auch die Bereiche Telekommunikation und Multimedia mit ihrer ausgeprägten Dynamik muss man dabei besonders im Auge behalten. Ein hohes Anwendungsniveau dieser Technologien auf der Basis einer optimalen Telekommunikationsinfrastruktur ist zu einem wesentlichen Faktor für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und Wirtschaftsregionen geworden. Gerade deshalb ist es unabdingbar, dass das Saarland an diesen positiven Entwicklungen teilhat. Im Zuge der Umstrukturierung kommt den Bereichen Telekommunikation und Multimedia daher eine besondere Rolle zu.
Im Infrastrukturbereich ist vorrangiges Ziel die Verbesserung der saarlandinternen Netzstruktur, sodass potenziellen Nutzern von Telekommunikationsdienstleistungen (inkl. Datendiensten) eine kostengünstige Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden kann. Da die Anbieter von Datendiensten keine eigenen Durchleitungsrechte besitzen, sind vor allem infrastrukturelle Maßnahmen für den Bereich Datendienste erforderlich. Ziel muss es sein, eine Unabhängigkeit der Datendienstanbieter von den Sprachdienstanbietern herzustellen.
Die Landesregierung wird den Ausbau des landesweiten "Saar-Netzes" weiter vorantreiben. Der saarländische Datenaustauschknoten muss dabei zum Netzknoten des Saar-Netzes ausgebaut werden. Die Realisierung des Saar-Netzes erfolgt in Zusammenarbeit mit privaten bzw. öffentlich-rechtlichen Netzbetreibern. Um den ländlichen Raum nicht zu benachteiligen, soll entfernungsunabhängig tarifiert werden.
Ein regionales Saar-Lor-Lux-Breitbandnetz soll das Saarnetz an Netze in Lothringen und Luxemburg anschließen. Auf diese Weise kann das Saarland als grenzüberschreitende Modellregion für Telekommunikationsdienste und innovative Medienprojekte ausgebaut werden.
Information und Kommunikation gewinnen im beruflichen und gesellschaftlichen Leben eine immer größere Bedeutung. Deshalb ist es notwendig, Kinder so früh wie möglich mit der neuen Technologie vertraut zu machen.
Die Landesregierung wird im Rahmen des Projektes "Schulen ans Netz" alle weiterführenden Schulen mit einem Anschluss an das Internet und der dafür notwendigen Computerausstattung ausrüsten. An 40 ausgesuchten Modellschulen wird durch eine entsprechende Hardwareausrüstung die Einrichtung von Multimedia-Laboren gefördert.
Lehrpläne, Lehrbücher und Lehrerausbildung werden im Hinblick auf die neuen Technologien überarbeitet und die Einrichtung einer Multimedia-Akademie voran getrieben.
Damit die Unternehmen der Saarwirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern können, müssen sie das Anwendungsniveau der modernen Informations- und Kommunikationstechnologien weiter verbessern. Die Landesregierung wird die Einrichtung branchenspezifischer Multimedia-Gewerbezentren insbesondere im ländlichen Raum unterstützen. In diesen Centern sollen Firmen für ihre Mitarbeiter Telearbeitsplätze anmieten können.
In Zusammenarbeit mit
IHK,
HWK und weiteren Wirtschaftsverbänden eine Informationscampagne zur Anwendungsförderung moderner Technologien bei Spätanwendergruppen starten und darauf drängen, dass alle neuen Gewerbegebiete mit einem breitbandigen Glasfaseranschluss versehen und an das Saarnetz angebunden werden.
Spezielle Förder- und Beratungsprogramme sollen die Telearbeit voran bringen.

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Tourismus


Der Tourismus bietet eine wichtige Basis, um das Dienstleistungsangebot nachhaltig zu verstärken. Er ist ein Wirtschaftsfaktor mit besonderer Perspektive, sowohl für den ländlichen Raum im Rahmen des Erholungs- und Gesundheitstourismus als auch für den Ballungsraum im Zusammenhang mit dem Städte- und Kongresstourismus.
Angesichts der weltweiten Konkurrenzsituation dürfen wir nicht auf unserem touristischen Status quo verharren, sondern müssen unser Potenzial ständig optimieren. Zu diesem Zweck ergreift die neue Landesregierung Initiativen in folgenden Berei-chen:

1. Wir werden den touristischen Rahmenplan des Saarlandes zu einem Masterplan mit konkreten Handlungsempfehlungen und Maßnahmen weiterentwickeln.
Der vorliegende touristische Rahmenplan des Saarlandes muss präzisiert werden. Zu diesem Zweck streben wir in Form "Runder Tische" einen intensiven Dialog mit allen tou-ristischen Kräften des Landes an. Auf diese Weise werden wir einen abgestimmten und koordinierten Handlungsrahmen für die touristischen Schwerpunkte der nächsten Jahre erarbeiten.

2. Wir werden eine Qualifizierungsoffensive Tourismus starten.
Die Qualität des touristischen Angebots hängt ganz entscheidend von der Qualifikation und Dienstleistungsorientierung der Beschäftigten ab. Unser Ziel ist es daher, im nächsten Jahr eine von der Landesregierung finanziell unter-stützte Qualifizierungsoffensive ins Leben zu rufen, die inhaltlich mit den touristischen Akteuren abgestimmt ist und alle Qualifikations- und Funktionsebenen (Management/Leitungskräfte, Fremdenführer, Aushilfskräfte) der Branche erfasst. Über eine Verbesserung der Qualität wollen wir langfristig die Beschäftigung steigern.

3. Wir werden die Arbeit der Tourismus Zentrale Saarland (TZS) effektiver machen.
Ziel der TZS muss es in den nächsten Jahren sein, das touristische Potenzial des Saar-landes effektiver nach außen zu vermarkten. Dazu müssen auf der Basis einer intensiven Marktforschung entsprechende touristische Angebote zielgruppengerecht und themenorientiert aufbereitet werden. Die Arbeit der TZS kann jedoch nur erfolgreich sein, wenn alle touristischen Kräfte im Lande weiter gebündelt werden.
Wenn wir den Tourismus als Wirtschaftsfaktor im Saarland weiter etablieren wollen, müssen vom Reisebüro und Kulturveranstalter über die Hotellerie und Gastronomie bis zum Handel alle Partner mit der TZS zusammenarbeiten. Diese notwendige Kooperation fehlt bislang.
Mein Appell richtet sich an die Wirtschaft und Verbände, sich mit ihren Anregungen und ihrem Engagement an der Arbeit der TZS zu beteiligen und den Tourismus zum Wohle aller Beteiligten zu unterstützen. Denn ein erfolgreicher Tourismus hat wiederum positive Auswirkungen auf die Wirtschaft.

4. Wir werden den grenzüberschreitenden Tourismus in der Saar-Lor-Lux-Region als touristisches Alleinstellungsmerkmal ausbauen.
Das Saarland ist aus einer nationalen Randlage in eine europäische Kernlage gerückt. Diese Chance müssen wir nutzen, um das Saarland touristisch auch grenzüberschreitend zu platzieren. Mit der Einführung des Euro hat für das Saarland zudem eine neue Epoche begonnen. Grenzüberschreitendes Reisen wird durch den Euro bequemer bei sinkenden Kosten. Als Grenzregion muss das Saarland dieses touristische Alleinstellungsmerkmal und die damit verbundenen Wachstumschancen durch preiswerte und attraktive Angebote nutzen.
Die Landesregierung wird im Rahmen ihrer touristischen Förderpolitik (Förderung der touristischen Infrastruktur, Unterstützung privater Tourismusinvestitionen) dazu beitragen, den Tourismus als wichtigen Wirtschaftsfaktor im Saarland weiter zu stärken und das Saarland zu einer anerkannten Tourismusregion auszubauen.

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Europäische Kompetenz des Standorts


Mit der Verwirklichung des europäischen Binnenmarktes und der Einführung des Euros eröffnen sich für das Saarland neue Chancen. Das Saarland kann zum Standort europäischer Dienstleistungen (Sprachdienste, Marktöffnung, Kontakt zu europäischen Institutionen und Programmen, Finanzdienstleistungen) werden. Gleichzeitig findet es sich aber auch in einem verstärkten Wettbewerb innerhalb der Großregion Saar-Lor-Lux wieder. Auf diese Situation muss die Landespolitik deshalb durch grenzübergreifende Kooperationen, Erschließung neuer Märkte im Saar-Lor-Lux-Raum, aber auch durch die Stärkung des eigenen Standortes reagieren.
Deshalb wird die Landesregierung die im Saarland geplanten Eurozonen " Europark Goldene Bremm" und " Europark Creutzwald-Überherrn" realisieren. Eurozonen sind europaweit einmalige Projekte, um gemeinsame Industrie- und Gewerbeflächen an oder unmittelbar auf der Grenze zu erschließen. Dabei können Vorteile beider nationaler Standorte gebündelt werden, sodass das Projekt " Eurozone" von hoher wirtschaftsstruktureller Bedeutung für die Gesamtregion ist. Das Land wird überprüfen, ob weitere Standorte für die Einrichtung von Eurozonen in Betracht kommen.
Das Land wird sich dafür einsetzen, dass die Zusammenarbeit zwischen Handwerks- und Wirtschaftskammern sowie Wirtschaftsverbänden und kommunaler Wirtschaftsförderung verbessert wird, damit die Geschäftstätigkeit kleiner und mittlerer Betriebe in der Region verbessert werden kann.
Und sich dafür stark machen, dass auf gesetzliche, administrative und nationale Rahmenbedingungen zurückgehende Hemmnisse für die grenzüberschreitende Tätigkeit von kleinen und mittleren Betrieben abgebaut werden.

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Das Saarland als mittelständisches Unternehmen


Ob kooperativer Föderalismus oder kompetitiver Föderalismus, eins sollte uns allen klar sein, ein kleines Bundesland muss sich anders verhalten als ein großes Bundesland. Dies gilt in der Wirtschaft und dies sollte auch für die Verwaltung so gelten. Daher werden wir eine Deregulierungskommission einrichten, um alle Gesetze, Verordnungen und Vorschriften auf ihre Verschlankungsmöglichkeiten hin zu überprüfen. Wir werden das Verwaltungshandeln modernisieren, indem wir auch die neuen Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologien viel stärker nutzen, als das bisher der Fall ist.
Und wir werden gerade als kleines Bundesland bestrebt sein müssen, strategische Allianzen mit unseren Nachbarn immer dann einzugehen, wenn wir alleine hierzu nicht in der Lage sind, weil uns die kritische Masse fehlt. Zu wenig kritische Masse da oder dort, kann aber nicht heißen: das kleine Bundesland in ein größeres zu integrieren. Das wird zwar zwangsläufig dann der Fall sein, wenn sich das kleine Bundesland nichts einfallen lässt. Daher setzen wir nicht nur auf kooperativen Föderalismus. Den gilt es ohnehin wieder neu zu entdecken. Aber es geht auch um kompetitiven Föderalismus. Und hierbei um die wichtigste Kernkompetenz der Bundesländer, nämlich Bildung und Ausbildung.
Qualität wird in Bildung und Ausbildung nicht erreicht über Beschlüsse der Kultusministerkonferenz. Da geht es im Ergebnis eher um Harmonisierung auf geringer werdendem Niveau. Wir sind der Meinung, dass wir gerade auf dem Gebiet von Schulen und Hochschulen in einen Qualitätswettbewerb hineingehen sollten. Denn Qualität lässt sich nicht durch Kultusministerkonferenz-Beschlüsse verordnen, Qualität lässt sich nur im Wettbewerb miteinander sichern und steigern.
Das sollte uns allen klar sein. Die wirtschaftliche Entwicklung eines Bundeslandes hängt mittelfristig entscheidend ab von der Qualität ihrer Bildung und Ausbildung. Anstatt sich abzusetzen von den Harmonisierungs-Trends, ist die frühere Landesregierung ihnen gefolgt. Dies gilt es möglichst schnell zu korrigieren und einen neuen Kurs aufzunehmen.
Eine qualifizierte Ausbildung ist für Jugendliche der Schlüssel zum Einstieg in das Berufsleben. Die Ausbildung im dualen System hat nach wie vor einen hohen Stellenwert. Wir müssen sie modernen Ansprüchen anpassen - quantitativ und qualitativ. Einerseits geht es darum, ein ausreichendes und auswahlfähiges Ausbildungsplatzangebot vorzuhalten, ande-rerseits muss sich der Ausbildungsmarkt an den Erfordernissen des Arbeitsmarktes bzw. der Nachfragestruktur der Wirtschaft orientieren. Das Berufsbildungssystem muss mit der wirt-schaftlichen Entwicklung Schritt halten.
Dazu gehört die Entwicklung neuer Berufe ebenso wie die laufende Anpassung der Ausbildungsordnungen an bereits eingetretene Veränderungen der Qualifikationsanforderungen der Betriebe. Hierbei ist ein "System der Früherkennung" von entscheidender Bedeutung, um frühstmöglich auf veränderte Ansprüche aus der Arbeitswelt reagieren zu können.

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Zum Schluss


Das Thema "Berufliche Qualifizierung” führt mich zurück zu den am Anfang meines Vortrags genannten Kernzielen unserer regionalen Wirtschaftspolitik:

  • Das Saarland muss in die Lage versetzt werden, aus eigener Kraft und dauerhaft seinen Aufgaben im föderalen System gerecht zu werden.

  • Die Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen ist die vorrangige Aufgabe. Sie kann erfüllt werden, wenn alle regionalen Partner an einem Strang ziehen und wenn Innovation zum Markenzeichen des Landes gemacht wird.

Innovation beginnt in den Köpfen. Mehr Mut zum Neuen, mehr Bereitschaft zu gemeinsamem Handeln - das sind wirkungsvolle Rezepte, die es möglich machen, das Saarland und seine Menschen in den nächsten Jahren deutlich voran zu bringen.

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